Böse alte Männer

Die Medienjournalisten Stefan Niggemeier und Hans Hoff sind erbost. Der WDR hat sich erdreistet, mit WDR #3sechzich ein Nachrichtenformat für die junge Zielgruppe auf Youtube zu starten. Und wie der WDR das aufzieht – also nein, so gehe das ja gar nicht.

„Unfreiwillig komisch“ sei das, urteilt Niggemeier in seinem Blog, außerdem „ein bisschen affig“, und überhaupt „ernsthaft ärgerlich“. Die Moderatoren spielten die Youtuber nur. Und sie seien ziemlich exakt das Gegenteil von dem, was den Reiz von Youtubern ausmacht.

Hans Hoff fleht bei DWDL.de, es möge doch jemand kommen und „den Moderatoren den öffentlich-rechtlichen Stock aus dem Arsch ziehen.“  Die meisten kurzen Clips seien zu kurz, die langen Clips viel zu lang.

Was verleitet zwei gestandene Medienjournalisten zu solch boshaften Verrissen, noch nicht mal zwei Wochen nach dem Start? Stefan Niggemeier hat sich sogar die Mühe gemacht, Ausschnitte aus #3sechzich-Sendungen zu einer Verballhornung des Formats zusammenzuschneiden. Und Hans Hoff unterstellt den Machern pauschal, dass ihr innerer Antrieb nur sei, einen Job beim WDR zu haben und den zu behalten.

Sicherlich ist WDR #3sechzich nicht die öffentlich-rechtliche Nachrichtenoffenbarung. Das Vorbild LeFloid ist ein bisschen zu offensichtlich, die Moderatoren sind noch nicht glaubwürdig genug – und einige Formulierungen sind erstaunlich altbacken. Da wird aktiv am Straßenverkehr teilgenommen und das Kind beim Namen genannt; da herrscht Demonstrationsfreiheit; eine Demonstration wird anberaumt und Frau Merkel lässt verlauten. Das kann der WDR im Radio deutlich besser – bei den Nachrichten von 1LIVE nämlich. Aber sind diese Baustellen wirklich Grund genug, das Format und die Macher so in Grund in Boden zu kritisieren?

Besonders Stefan Niggemeier hat in der Vergangenheit immer wieder gefordert, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk mehr Programm für Jugendliche macht. Jetzt, wo der WDR genau das versucht, hätte ich – wenn es schon kein Lob gibt – zumindest erwartet, dass die Kritik konstruktiv ist. Denn weder Hoff noch Niggemeier verraten in ihren Texten, wie sie sich ein Nachrichtenangebot für die Zielgruppe zwischen KiKa und Tagesschau vorstellen. Das wäre doch interessant zu wissen.

Geschrieben am 2. Februar 2015
flattr this!

Kommentieren