02 Feb

Böse alte Männer

Die Medienjournalisten Stefan Niggemeier und Hans Hoff sind erbost. Der WDR hat sich erdreistet, mit WDR #3sechzich ein Nachrichtenformat für die junge Zielgruppe auf Youtube zu starten. Und wie der WDR das aufzieht – also nein, so gehe das ja gar nicht.

„Unfreiwillig komisch“ sei das, urteilt Niggemeier in seinem Blog, außerdem „ein bisschen affig“, und überhaupt „ernsthaft ärgerlich“. Die Moderatoren spielten die Youtuber nur. Und sie seien ziemlich exakt das Gegenteil von dem, was den Reiz von Youtubern ausmacht.

Hans Hoff fleht bei DWDL.de, es möge doch jemand kommen und „den Moderatoren den öffentlich-rechtlichen Stock aus dem Arsch ziehen.“  Die meisten kurzen Clips seien zu kurz, die langen Clips viel zu lang.

Was verleitet zwei gestandene Medienjournalisten zu solch boshaften Verrissen, noch nicht mal zwei Wochen nach dem Start? Stefan Niggemeier hat sich sogar die Mühe gemacht, Ausschnitte aus #3sechzich-Sendungen zu einer Verballhornung des Formats zusammenzuschneiden. Und Hans Hoff unterstellt den Machern pauschal, dass ihr innerer Antrieb nur sei, einen Job beim WDR zu haben und den zu behalten.

Sicherlich ist WDR #3sechzich nicht die öffentlich-rechtliche Nachrichtenoffenbarung. Das Vorbild LeFloid ist ein bisschen zu offensichtlich, die Moderatoren sind noch nicht glaubwürdig genug – und einige Formulierungen sind erstaunlich altbacken. Da wird aktiv am Straßenverkehr teilgenommen und das Kind beim Namen genannt; da herrscht Demonstrationsfreiheit; eine Demonstration wird anberaumt und Frau Merkel lässt verlauten. Das kann der WDR im Radio deutlich besser – bei den Nachrichten von 1LIVE nämlich. Aber sind diese Baustellen wirklich Grund genug, das Format und die Macher so in Grund in Boden zu kritisieren?

Besonders Stefan Niggemeier hat in der Vergangenheit immer wieder gefordert, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk mehr Programm für Jugendliche macht. Jetzt, wo der WDR genau das versucht, hätte ich – wenn es schon kein Lob gibt – zumindest erwartet, dass die Kritik konstruktiv ist. Denn weder Hoff noch Niggemeier verraten in ihren Texten, wie sie sich ein Nachrichtenangebot für die Zielgruppe zwischen KiKa und Tagesschau vorstellen. Das wäre doch interessant zu wissen.

07 Mai

Bloß keine Reförmchen!
Gedanken zur Zukunft der Radionachrichten

Taugt gut als Symbolbild: Ein Mikro

Taugt gut als Symbolbild: Ein Mikro(1)

Das Konzept ist so alt wie das Radio selbst, und am Format hat sich eigentlich noch nie etwas geändert: In den Radionachrichten sitzt jemand einige Minuten lang nur da und weiß. Und er gibt sein Wissen weiter, mit der Aura der Neutralität, der Objektivität, ja, der Wahrheit.

Dieses Konzept gerät ins Wanken. Gesellschaft und Medienlandschaft haben sich verändert, und so fragen sich die Menschen, die sich beruflich mit Radionachrichten beschäftigen: Was muss sich ändern, damit unsere Sendungen nicht den Anschluss an die mediale Realität verlieren und noch mehr als jetzt als Relikt aus vergangenen Zeiten wahrgenommen werden? Private und öffentlich-rechtliche Sender veranstalten dazu das Branchentreffen „Zukunftswerkstatt Radionachrichten“ im Mai beim MDR in Magdeburg. Im Internet diskutieren Kollegen schon jetzt darüber – auf Blogs wie diesem und bei Twitter unter dem Hashtag #newsneu. Weiterlesen

  1. Foto: Matthew Keefe []